Seminare

Die enge Zusammenarbeit der Partnerinstitutionen im Zentrum für Fotografie Essen verbindet akademische Lehre unmittelbar mit kuratorischer, archivarischer und restauratorischer Praxis. Studierende der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste erwerben vertiefte Kenntnisse in Fotogeschichte und Ausstellungspraxis sowie in Materialität, Archivwesen, Restaurierung und Konservierung. Seminare finden direkt im Historischen Archiv Krupp, dem Museum Folkwang und dem Ruhr Museum statt, was die praktische Arbeit mit originalen Objekten und Materialien ermöglicht.

Random Access Memory. Archiv Michael Schmidt

Das Archiv Michael Schmidt ist seit 2024 als Dauerleihgabe Teil der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang. Es bewahrt umfassend Werke und Dokumente aus Leben und Karriere des stilprägenden Fotokünstlers Michael Schmidt (1945–2014) und macht diese zugänglich. Wie kommt ein Archiv zustande? Wie entwickeln sich seine spezifischen Ordnungen und Unordnungen? Und nicht zuletzt: Von welchem Punkt aus nähert man sich einem so umfangreichen Archiv – und wie findet man genau das, wonach man nie gesucht hat?

Das Seminar geht von einer möglichen Antwort auf diese letzte Frage aus: Jeder Einstieg ins Archiv bietet die Möglichkeit, Entdeckungen zu machen und Interessen zu entwickeln. Das Archiv ist ein Arbeitsspeicher: Random Access Memory. Das Seminar nähert sich so Aspekten des fotografischen Schaffens Michael Schmidts, vermittelt Fertigkeiten im Umgang mit Archivmaterial und beleuchtet die Institutionen Museum und Archiv.

Sommersemester 2026
Dozent: Matthias Gründig (Museum Folkwang)

Fotorestaurierung I + II

Fotografien bestehen aus einem Verbund von Materialien und Schichten, die sich zersetzen, verwellen oder zerbrechen und somit den Erhalt einer Darstellung maßgeblich beeinflussen können. Bei der Untersuchung von Fotografien liegen daher in der Fotorestaurierung über die Bildinhalte hinaus die materiellen Komponenten im Fokus der Betrachtung. Die Erfassung der physischen Beschaffenheit trägt maßgeblich zum Verständnis bei, wie Fotograf:innen gearbeitet haben, welche Materialien sie verwendet und wie sie ihre Werke verarbeitet haben.

Unter Heranziehung systematischer Identifizierungsmethoden, optischer Vergrößerungsmitteln und historischer Sammlungsbeispielen behandelt das Seminar die Einordnung fotografischer Verfahren des 19. bis 21. Jahrhunderts. Während des Seminars untersuchen die Studierenden die physischen und die chemischen Eigenschaften von Fotografien und lernen die Abbaumechanismen von Fotografien kennen. Darüber hinaus wird das Verständnis des Materialaufbaus und der Verarbeitung der frühen Verfahren der Fotografie anhand der praktischen Erstellung von eigenen Albuminabzügen, oder Cyanotypien oder Salzpapieren vermittelt.

Laufend, jeweils im Sommer- und Wintersemester
Dozent:innen: Peter Konarzewski, Heike Koenitz (Museum Folkwang)

Kleine Geschichte des Fotoalbums

Das Seminar nimmt die bemerkenswerten Bestände historischer Fotoalben in den Blick, die sich im Historischen Archiv Krupp befinden. Sie halten eine hohe materielle Qualität bereit, entziehen sich zugleich fast stets (etwa im Unterschied zum Fotobuch) einer massenhaften Form der Fotografie und erfahren in Inhalt wie Gestaltung eine Spannung zwischen Individualität und Normierung. Eine »Kleine Geschichte des Fotoalbums« trifft auf einen Gegenstand, der in hoher Zahl methodische Herausforderungen stellt.

Bereits jede flüchtige Sichtung, erst recht aber eine gründliche Recherche wird ergeben, dass eine Vielzahl von Fragen zur Kultur- und Bildgeschichte angesprochen sind; darunter Fragen zur Autorschaft, der Materialität des Fotografischen, nach der Rolle von Öffentlichkeit und Privatheit, Aspekten von Gender und sozialer Klasse, gestalterischer Heteronomie und Autonomie und nicht zuletzt nach Repräsentation und Zirkulation.

Wintersemester 2022/2023
Dozent:innen: Manuela Fellner-Feldhaus (Historisches Archiv Krupp), Steffen Siegel (Folkwang Universität der Künste)