Die Partnerinstitutionen des Zentrums für Fotografie forschen zu historischen, technologischen, künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich in fotografischen Bildern nicht allein abzeichnen, sondern durch diese getragen und vorangetrieben werden.

Christine Boeckmann und die Galerie im Riek

Das Ruhr Museum hat den Vorlass der Fotokünstlerin und Steinert-Schülerin Christine Boeckmann übernommen, der auch eine umfangreiche Dokumentation zur Essener Galerie im Riek (1974-1978) enthält. Eine erste Sichtung des Materials deutet darauf hin, dass die Galerie auch überregional ein bedeutender Treffpunkt für den Austausch zur Fotografie war und großen Einfluss auf die Ausstellungspraxis der folgenden Jahre erlangte.

Im Rahmen des Programms »Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW« wird der Bestand inhaltlich und formal aufgearbeitet und gegebenenfalls restauratorisch behandelt, inventarisiert und auf den Beitrag zur Ausstellungspraxis und Kulturgeschichte der Fotografie hin wissenschaftlich untersucht. In enger Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste soll ein Forschungsdesign entwickelt werden, das kultur- und geschichtswissenschaftliche sowie kunst- und fotografiehistorische Methoden einschließt und unterschiedliche Datenquellen auswertet; bild- und dokumentararchivarische Zugänge ebenso wie Zeitzeug:innen-Gespräche.

Kontakt: Stefanie Grebe (Ruhr Museum)

Erschließung und Aufarbeitung der Nachlässe von Josef H. Darchinger und Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Das Historische Archiv Krupp arbeitet an der Erschließung und Aufarbeitung von zwei regional und überregional wichtigen fotografischen Nachlässen: am Teilnachlass von Josef H. Darchinger sowie am fotografischen Nachlass von Alfried Krupp von Bohlen und Halbach. Es ordnet die Bestände archivisch, erschließt sie inhaltlich, digitalisiert sie und erfasst die Informationen in einer Archivdatenbank. Die Fotografien werden konservatorisch versorgt und online einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.

Kontakt: Manuela Fellner-Feldhaus (Historisches Archiv Krupp)

Von dieser Welt. Fotografie als Gabe

Seit den 1970er Jahren besteht in der Fototheorie weitgehend Einigkeit darüber, dass es »die Fotografie« gar nicht gibt. Konnte Siegfried Kracauer noch spezifische Eigenschaften aufzählen, die die Fotografie als Medium von allen anderen unterscheidet, so scheint heute bereits die Art der Fragestellung suspekt zu sein – insbesondere vor dem Hintergrund der digitalen Transformation des Mediums.

Demgegenüber geht das Forschungsprojekt davon aus, dass sich mit dem Begriff der Gabe (lat. datum) sehr wohl eine differentia specifica der Fotografie benennen lässt. Sie wird es auch ermöglichen, auf die Frage zu antworten, ob »digitale Fotografie« noch Fotografie sei. Das Projekt geht dabei von der einfachen Tatsache aus, dass mit Fotografien etwas aufgenommen wird, also von außen empfangen werden muss. Aber was genau passiert dabei? Wer gibt hier wem was? Ist Fotografie vor allem Tauschobjekt und Ware oder hat die Frage nach Gabe und Gegebenheit weiterreichende Dimensionen? Diesen Fragen ist das Projekt gewidmet.

Kontakt: Prof. Dr. Markus Rautzenberg (Folkwang Universität der Künste)

Eine imaginierte Republik. Politik und Ästhetik im ostdeutschen Fotobuch

An Büchern über Fotobücher herrscht kein Mangel: In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ist eine bemerkenswerte Zahl von Katalogen erschienen, die dieses besondere Genre der Bildpublizistik sammeln, ordnen und kommentieren. Geografische Rahmungen – Städte, Länder, Kontinente – sind dabei besonders prominent. Doch was genau kann eine solche Perspektive leisten, wenn wir uns für die jüngere Geschichte der fotografischen Publizistik interessieren? Das gegenwärtig enorm zunehmende Interesse an der Fotografie aus der DDR legt es nahe, auch an einem Buch über Fotobücher aus der DDR zu arbeiten.

Tatsächlich würde ein solches Kompendium aus mehreren hundert Bänden auswählen können, also reiches Material finden. Doch soll sich mit dem Projekt ein grundlegender Perspektivenwechsel verbinden, der sich für die gesellschaftlichen Funktionen von Fotobüchern interessiert. Mit Blick auf die in der DDR erschienen Fotobücher soll nach einem Instrument staatlicher Selbstentwürfe gefragt werden. Auf diese Weise lassen sich Geschichten des veröffentlichten Bildes erzählen, in denen das Medium als eine wesentliche Kreuzung aus Ästhetik und Politik verständlich wird.

Kontakt: Prof. Dr. Steffen Siegel (Folkwang Universität der Künste)